Jugendliche

In diesem Alter sind die Jugendlichen selten beim Arzt.
Eigentlich nur, wenn sie sich verletzt haben, oder die Eltern
sie zum Arzt "treiben", weil sie seit Wochen husten.

Allerdings fällt eine wichtige Vorsorgeuntersuchung in diese Zeit, die Jugendgesundheitsberatung (J1). Ziel der J1 ist es, Gesundheitsstörungen zu erkennen, bevor sie dauerhafte Erkrankungen verursachen (Gewichtsprobleme, sowohl
Über- wie auch Untergewicht; Magersucht; Orthopädische Probleme wie Skoliose, Beinlängendifferenz ...).

Die zweithäufigste Todesursache in diesem Alter ist der Selbstmord. Die Jugendlichen machen eine körperliche und psychische Entwicklung durch (Geschlechtsreife, erste/r Freund/in, erste Enttäuschung, "notwendige" Auseinandersetzung mit den Eltern, Verlust des "Geborgenseins"), die ihnen Angst macht und mit der sie häufig alleine nicht fertig werden. Der Arzt als neutrale Institution kann ein Hilfsangebot geben, dass vielleicht einmal in Anspruch genommen wird. Nur wenn man den Arzt als verständnisvolle und verschwiegene (Schweigepflicht) Person erlebt hat mit dem man über alles reden kann, wird man sich in schweren Zeiten an ihn wenden.

In der J1 sollte auch nochmals die Sexualaufklärung angesprochen werden, allerdings nicht nur nach dem Motto "wie geht das", sondern mit Antworten auf die Fragen: Wann, wo und von wem bekomme ich die Pille? Wie verhüte ich sicher mit einem Kondom? Und was bedeutet es, "ungewollt schwanger" zu sein? Vielleicht ist das der geheime Erfolg von "Bravo", dort stehen Antworten auf Fragen, die man sich nicht getraut hat zu stellen. Meine Meinung ist jedoch, dass diese Fragen in ein Aufklärungsgespräch gehören, z. B. in der J1. Solange 50% aller Mädchen ohne Verhütung zum erstenmal Geschlechtsverkehr haben (wohlgemerkt in Deutschland durchschnittlich mit 14 Jahren), ist auf diesem Gebiet noch nicht alles getan.

(Eine Buchempfehlung für Jugendliche "Herzkasper" von Rainer Neutzling).

Die Jugendschutzuntersuchung kommt auf die Jugendlichen zu, die noch keine 18 Jahre alt sind und eine Berufsausbildung beginnen wollen. Die Untersuchung soll vermeiden, dass Jugendliche einen Beruf wählen, den sie aufgrund von körperlichen Schwächen nicht oder nicht auf Dauer ausüben können. Beispielsweise ein Bäcker mit Asthma (Mehlstauballergie), eine Friseuse mit Neurodermitis (drohendes Kontaktekzem), eine Verkäuferin mit Skoliose (eine Berufsunfähigkeit wegen Rückenproblemen droht). Es findet eine ausführliche Untersuchung statt, inklusive Hörtest, Sehtest, Farbsehtest und Gleichgewichtsprüfung.
Seit 2006 steht uns ein wirksamer Impfstoff gegen das HPV Virus (HPV, engl. human papilloma virus) zur Verfügung (Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs). Das HPV Virus verursacht eine chronische Entzündung des Gebärmutterhalses wodurch Krebs ausgelöst werden kann. Bei fast allen Patientinnen, bei denen Gebärmutterhalskrebs festgestellt wurde, konnte eine abgelaufene Infektion mit HPV Viren festgestellt werden. Wenn wir es schaffen alle Frauen und Mädchen vor einem Infekt mit HPV (der in der Regel durch Geschlechtsverkehr übertragen wird) durch die Impfung zu schützen, können wir unseren Töchtern eine Gebärmutterhalskrebserkrankung ersparen. Bis zum 18 Lebensjahr ist die Impfung Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, lasst Euch / lassen  Sie ihre Kinder impfen. Ich berate Sie gerne, gerne auch im Rahmen der J1.