Hochbetagte

Wenn man die längste Zeit seines Lebens gelebt hat verschieben sich die Grenzen von der Schulmedizin oder der "medizinisch möglichen Medizin" zur "menschlichen Medizin".

Dieses ist eine schwere Medizin, weil es nicht mehr gilt das Leben um jeden Preis zu erhalten, sondern ein lebenswertes Leben zu ermöglichen.

Für uns Ärzte ist es so schwer, weil wir uns nicht an festgelegte Behandlungsrichtlinien halten können und eine Maximalmedizin von den Patienten gar nicht mehr gewünscht wird.

Was lebenswert ist, weiß nur der Patient alleine, selbst die Angehörigen können nur unter Vorbehalt für den nicht mehr entscheidungskräftigen Patienten entscheiden. Deshalb ist es so wichtig, bei klarem Verstand festzulegen, was für einen selber ein lebenswertes Leben ist. Eine Möglichkeit ist rechtzeitig mit den Angehörigen darüber zu reden, eine bessere Möglichkeit wäre, dieses auch noch schriftlich niederzulegen.

Ich habe mich schon stundenlang mit Angehörigen über dieses Thema unterhalten, und wir wären froh gewesen, wenn der Patient seine Wünsche niedergeschrieben hätte und wir nach seinem Willen hätten verfahren können. Mit einer Patientenverfügung (früher Patiententestament, dieser Begriff ist jedoch verwirrend, da ein Testament erst nach dem Tod in Kraft tritt, die Verfügung aber die Zeit vor dem Tod regelt) trifft man Sorge dafür, dass

a) meine Interessen in meinem Sinne wahrgenommen werden,

b) ich meine Verwandten nicht in einen Konflikt stürze, oder sich sogar darüber zerstreiten und

c) ich meinen behandelnden Ärzten eine klare Anweisung gebe, unter welchen Umständen ich eine maximale Therapie wünsche. Eine Therapie in dem Sinne einer Leid- und Schmerzlinderung steht Ihnen jederzeit zu.

Als Hausarzt empfinde ich gerade am Ende des Lebens eine Verpflichtung den Menschen beizustehen und Ihnen meine Hilfe anzubieten. Oft genug müssen wir unsere Patienten abgeben, wenn Sie ins Krankenhaus müssen, wenn schwierige Behandlungen beim Facharzt anstehen, aber am Ende des Lebens sind wir wieder da, auch wenn wir nicht mehr viel tun können, außer da zu sein.

Schauen Sie bitte unter den empfohlenen Links. Dort finden Sie Verweise u. a.  die Seite des Bundesministerium der Justiz mit Hinweisen auf Patientenverfügungen und Versorgungsvollmachten.

"Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben."

Cicely Saunders ist die Vorreiterin gewesen für die Palliativmedizin (begleitende/stützende Medizin bei Sterbenden), so wie wir sie heute in Deutschland kennen und praktizieren. Die Engländerin Cicely Saunders hat bereits 1967 in London das erste moderne Hospiz der Welt gründete. Von ihr stammt ein Satz, der die Arbeit aller Palliativstationen prägt: "Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben."

Persönlich hat mich das Werk von Elisabeth Kübler-Ross geprägt. Ihr Ziel war es, von den Sterbenden zu lernen, wie man mit Sterbenden umgeht und welche Hilfe sich diese erhoffen. Diese Erfahrungen hat Sie in ihrem Buch „Interviews mit Sterbenden“ niedergeschrieben. Weltweite Anerkennung erhielt sie auch für die Einteilung des Sterbens in 5 Phasen, welches in dem Buch Über den Tod und das Leben danach (On Death And Dying 1969) erläutert wird. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die sterbende Menschen begleiten, egal ob professionell in Heimen und Krankenhäusern, oder zu hause.