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50 jähriges Praxisjubiläum

50 Jahre Arztpraxis Schlüter in Vechelde mit einem Empfang gefeiert

Gaststätte als Praxis – vorne Patienten behandelt, hinter Trennwand gewohnt

50 Jahre Arztpraxis Schlüter in Vechelde mit einem Empfang gefeiert – einige Krankheiten sind ausgestorben

Von Harald Meyer

 

VECHELDE. Nur per Zufall hat es Dr. Herbert Schlüter nach Vechelde verschlagen: "Hier war eine Arztstelle ausgeschrieben." Schlüter überlegte nicht lange und ließ sich als Mediziner im Ort nieder – ein halbes Jahrhundert ist das her.

Gestern – zum 50-jährigen Bestehen – lud das Praxisteam Schlüter die Patienten der "ersten Stunde" ein, die nach wie vor dort behandelt werden. Allerdings nicht mehr von Herbert Schlüter, sondern von dessen Sohn Wolfgang, der die Praxis des Vaters 1993 übernommen hat. Im Labor, im Ultraschall-Zimmer, in den Behandlungsräumen und den anderen Räumlichkeiten – überall trafen sich Patienten zum Smalltalk und Austausch von Erinnerungen.

Und die gibt es reichlich: Herbert Schlüter, inzwischen 84-jährig, hat die Geschehnisse von vor 50 Jahren noch lebhaft vor Augen. Am 6. Januar 1959 eröffnete er seine "Praxis" in der damaligen Gastwirtschaft Fritz Vilter (Aueschänke) gegenüber dem Bürgerzentrum. "Im Clubraum habe ich die Patienten behandelt, meine Geräte habe ich selbst mitgebracht", beschreibt Schlüter die provisorischen Zustände: "In dem Raum haben wir eine Trennwand errichtet: Hinter der haben meine Frau und ich gewohnt." Und auf der Bühne haben sich die Patienten zur Untersuchung frei gemacht.

"Wegen der Sportverletzung das erste Mal behandelt"

"Meine erste Behandlung bei Herbert Schlüter war wegen einer Sportverletzung – vom Fußball", schmunzelt Horst Kopaniarz, bereits 1959 Patient bei dem "praktischen Arzt und Geburtshelfer", wie sich Schlüter in seiner Anzeige zur Praxiseröffnung bezeichnete. Herbert Schlüter: "Mit 34 Jahren war ich seinerzeit der jüngste Kassenarzt im Bezirk."

Gerold Mertens schildert, wie er an Herbert Schlüter geraten war: 1960 sei er nach Bettmar gezogen, zur Miete in einem Zimmer von Hildegard Krüger, die Sprechstundenhilfe bei Schlüter gewesen ist. Zu dem Zeitpunkt hatte Herbert Schlüter bereits den Neubau an der Albert-Schweitzer-Straße in Vechelde bezogen, in dem sein Sohn bis heute praktiziert. Im Mai 1959 stand dieser Umzug an. "Das war zur damaligen Zeit eine moderne Praxis", stellt Mertens bewundernd fest. Wolfgang Schlüter: "Die Leuten dachten damals, es wird ein Hospital."

Nun haben längst neue Technik wie Computer, aber auch neueste Behandlungsmethoden Einzug gehalten in die Praxis. Auch die Arbeit als Arzt hat sich gewandelt. "Früher gab es mehr Hausbesuche, weil viele Menschen kein Auto hatten und nicht zu uns kommen konnten. Heute hingegen suchen uns die Patienten in der Regel auf, die Arbeit hat sich in die Praxis verlagert", vergleicht Dr. Wolfgang Schlüter.

Wie haben sich die Krankheiten verändert? "Mein Vater hat noch viel Diphtherie-Erkrankte behandelt, das hat es zu meiner Zeit nicht mehr gegeben", so der 47-Jährige. Wegen der Impfungen seien heute Masern und Keuchhusten ausgestorben, dafür gebe es mehr Allergien.

"Landwirt wollte ich nie und nimmer werden"

Herbert Schlüter stammt aus Hordorf (Landkreis Wolfenbüttel), dort hatten die Eltern einen landwirtschaftlichen Hof. "Doch Landwirt wollte ich nie und nimmer werden", versichert er. Nicht zuletzt durch die Kriegserlebnisse entschied er sich für den Arztberuf, nach dem Medizinstudium in Würzburg verschlug es ihn wieder in unsere Region.

"Meine Richtung war vorgegeben", betont Allgemeinmediziner Wolfgang Schlüter, er habe sich schon frühzeitig für den Beruf des Mediziners entschieden. Zu dessen Übernahme der Arztpraxis sagt Herbert Schlüter freudestrahlend: "Das war ein Glücksfall." Das haben gestern die Patienten auch so gesehen.

Unter www.doktorschlueter.de weitere Informationen im Internet.

Quelle: Braunschweiger Zeitung vom 07. Januar 2009

 

Mittwoch, 07.01.2009